Zwei Tage nach meinem kleinen Beitrag zu den Nationalratswahlen 2011 und Video- bzw. Kino-Clips der Parteien, doppelte 10vor10 gleich nach. Auch die Nachrichtensendung des SF kommt zum Schluss: 9 von 10 Videos der Kandidierenden sind Missetaten, die Wirkung ist bei Null anzusiedeln.
Werfen wir doch einen Blick auf verschiedene Videos der politischen Parteien der Schweiz. Eine kleine Bestandesaufnahme bei Wahlkampfbeginn.
Videobotschaft FDP.Die Liberalen
Steigen wir gleich mit einem unzumutbaren Beispiel ein und fangen bei Fulvio Pelli, Präsident FDP Schweiz, an.
Seine aktuelle «Videobotschaft an die Mitglieder und Sympthisanten der FDP.Die Liberalen» ist eine veritable Katastrophe. Versprecher, schlechte Tonqualität, düsteres Set-Up, kleinkariert, unklare Botschaft… ein unglaublicher Anschauungsunterricht für die Kategorie «So sicher nicht».
Kinospot SVP Schweiz
Die SVP macht’s den anderen Parteien wieder einmal vor: Kinospot der SVP über «wahre Werte».
Toller Spot, nice cuts, gute Story, starker Sound und mit einer Portion Humor.
Kinospot FDP.Die Liberalen Frauen
Im Rahmen der «Oben-nicht-mehr-ohne»-Kampagne der FDP-Frauen wirkt der Kinospot im Vergleich zu obigem Beispiel eher blass.
Etwas kurz geraten. Zuviel Text (auch gesprochenes Wort), alles aus Liebe zu…?
YouTube Video SP Schweiz
Mehr im Portemonnaie. Neustes YouTube Video der SP Schweiz (24.08.2011).
Zusatzanmerkung:
Haben Sie gewusst, dass die Website der SP Schweiz auf einem Server in Frankreich sitzt und die Website der SP zu den Wahlen 2011 auf einem Server in Grossbritannien?
Angaben gemäss Flagfox Geotool
Grünliberale und EVP
Fehlanzeige punkto Video
YouTube Video CVP Schweiz
Autsch! 5-minütige Folter, unterlegt mit Afro-Sound. Einziges Video der CVP auf YouTube aus dem Jahre 2008.
Internet TV-Channel BDP Schweiz
Die Produzentin meldet sich gleich selbst zu Wort. Seltsam…
Hätte, könnte, möchte. Aber äbe… Zusammengeschnitzelt, ohne klare Linie. Wirklich kein Spaziergang.
Stand 04.09.2011, externes Link
Zusatzanmerkung:
BDP.tv sitzt auf einem Server in Deutschland.
Mit einem unerwarteten Auftritt kontrollieren zwei Exponenten der Zürcher-Jugendbewegung 1980 eine Diskussionsrunde im Schweizer Fernsehen. Ein bemerkenswertes, historisches Beispiel, wie mit Medien gespielt werden kann.
Im Nachgang an die Zürcher-Unruhen befasste sich die Talk-Sendung CH mit den ungewohnten Ereignissen.
Ein Leckerbissen für die Freunde der Medienmanipulation.
Dieser Online-Service vom SF ist nun wohl Teil der Billag-Rechnungen. Dann muss ich sagen: Okay.
Dreiviertelstündige Archivperle SF DRS vom 15.7.1980:
Seit vielen Monaten ärgere ich mich über die wie Pilze entstehenden Anbieter von Firmenvideos. «Kaufe ein Firmenvideo nach Schema X für pauschal dreitausend Stutz und Du bist dabei!» So oder ähnlich die Versprechungen. Aber auf was kommt es wirklich an, beim echt guten Firmenvideo?
Nicht Effekte, nicht der Schnitt, nicht der Kopf oder der Text, nicht die Beleuchtung, nicht das Skript. Entscheidend ist das Produkt selber und die Hintergrund-Story. Ist es faszinierend und nützlich, muss die Qualität des Videos gar nicht top sein. Hier ein Beispiel dafür:
Vor ein paar Tagen hat Kai Biermann in der Zeit Online einen äusserst aufschlussreichen Artikel zum Thema «Vorratsdatenspeicherung» publiziert. Er zeigt auf, wie die Handy-Daten visualisiert und zur Verfolgung aufbereitet werden könn(t)en.
Kernstück des Artikels ist eine interaktive Grafik, die zeigt, welche Daten über den Grünenpolitiker Malte Spitz über 6 Monate hin bekannt sind (die Identitäten der ein- und ausgehenden Anrufe exklusive, das ginge ja dann wohl wirklich zu weit). Aber inkl. Anzahl ein- und ausgehende Anrufe plus SMS.
Biermann und seinen Kumpanen gebührt grosses Log für ihren Aufwand. Zeigt doch die Animation deutlich, wie nah uns der Staat auf den Fersen ist, wenn wir ein Handy mit uns führen.
Im Übrigen dürfen Sie auch davon ausgehen, dass Ihre Surfgewohnheiten von Ihrem Internetprovider auch über Monate hinweg gespeichert werden.
Johanna Blakley‘s kürzlicher TEDTalk von Dezember 2010 wirft einen interessanten Blick auf die Veränderungen, die sich durch die Sozialen Netzwerke für die Medien und die Werbebranche ergeben.
Zusammenfassung:
Firmen, die sich mit Medien und Werbung beschäftigen, verwenden immer noch das alte demografische Schema, um ihre Zielgruppen zu verstehen, aber es wird immer schwieriger, sie online zu verfolgen, sagt Medienforscherin Johanna Blakley. Da soziale Medien über traditionelle Medien hinauswachsen und weibliche Nutzer männliche zahlenmässig übertreffen, erklärt Blakley, welche Veränderungen für die Zukunft der Medien bevorstehen.
Die Präsentation zeigt auch vorallem Eines: Die traditionellen, demografischen Daten haben eigentlich ausgedient. Nicht, dass wir jetzt sofort darauf verzichten sollten. Aber die Werbetreibenden müssen verstehen, dass sich die Konsumenten heute anders definiert sehen wollen. Sie wollen eben auch selber mehr Kontrolle.
Ein Beispiel dafür: 75% der Konsumenten trauen eher den Empfehlungen von anderen Online-Menschen, nur 15% trauen der Werbung…
Jetzt habe ich auf meinem Firefox Browser einen AdBlocker installiert und geniesse es.
Seit die Berner Zeitung (also Newsnetz) vergangenes Jahr ein gröberes Site-Redesign umgesetzt haben, hat nervige Werbung drastisch zugenommen. Ich sage extra nervige Werbung. Denn es gibt auch Online-Werbung, die nicht so «intrusive» und aggressiv ist. Alles von Unterbrechungswerbung, zu den elenden Banners, die bei einem Mouse-Over den halben Bildschirm abdecken, bis hin zu je bewegter und animierter, desto besser… einfach lästig.
Praktisch sämtliche Werbung wurde mit dem installierten AdBlocker eliminiert, nicht nur bei der BZ, auch beim Tagesanzeiger oder auch ausländischen Publikationen wie der Guardian. Ich kann also meine News-Sites jetzt ohne die nervige Werbung wieder viel mehr geniessen.
Natürlich, da kommen sofort die Einwände: Ja, was meinst denn Du eigentlich? Wie sollen sich denn diese News-Sites finanzieren, wenn da jeder einfach sämtliche Werbung abschaltet? Dann gibt’s dann plötzlich nur noch Pay-Sites. So oder ähnlich tönnen die Einwände.
Ich frage mich allerdings, ob die Verlage nicht einfach schier übertrieben haben mit den Werbeformaten auf ihren Online-Sites. Oder schlicht und einfach nach wie vor kein Konzept für die Zukunft haben.
Screenshot IE mit Werbung:
Screenshot Firefox der derselben Seite mit AdBlocker:
Gemäss John Gerzema ist absehbar, dass sich die Konsumenten nach der Krise anders als vorher verhalten. Mehr Qualität statt Quantität. Mehr Transparenz und Fair-Play. Dazu gehört auch Konsumenten-Kooperation.
Dieser TED Talk ist schon etwas älter (August 2009), aber nichtsdestotrotz absolut aktuell.